Kritische Notizen zur ungarischen Sprache I

Die Einleitung für die Reihe zu finden, war nicht ganz einfach, aber ich glaub‘, ich hab’s jetz: Die Ungarische Sprache gehört zur finno-ugrischen Sprachgruppe, welcher im Wesentlichen „Finnisch“, „Estnisch“ und eben „Ungarisch“ angehören. Sie ist nicht sehr weit verbreitet, nur etwa 12.000.000 Sprecher gibt es weltweit. Und bald werden es etwa 12.000.001 sein, denn ich hab mir mal wieder Flausen in den Kopf gesetzt: Ich lern Ungarisch.

Und da ist auch schon das erste Problem: Obwohl ich wundervolle Unterstützung von einer noch wundervolleren Muttersprachlerin bekomme, ist es eine Herausforderung an „brauchbare“ Materialien zum Lernen zu bekommen; in der Schule ist Ungarisch kein Pflichtfach, zumindest nicht in Deutschland. So kommt es, dass mir das „effektive“ Lernen noch immer nicht vergönnt ist. Zwar habe ich ein wirklich gutes Buch über die Ungarische Grammatik („mit zahlreichen nützlichen Beispielen„), aber eine Sprache zu lernen bedeutet nicht nur, ihre Regeln zu kennen, sondern ist eben viel umfassender.

Mit Hilfe des Buches konnte ich selbstverständlich dennoch schon einen kleinen Einblick in das bekommen, was mich in meinem Übereifer erwartet – und das ist, ohne zu übertreiben, knallhart. Eigentlich stimmt das nicht einmal, „der Ungar“ denkt nur anders als „der Deutsche“. Die Sprache ist in höchstem Maße logisch (und harmonisch!), durch ihren Aufbau erschließt sie sich einem Lerner nicht auf den ersten Blick. Dazu fand ich schon vor längerer Zeit dieses sehr anschauliche Beispiel für die Wortbildung im Ungarischen:

Während wir Deutschen „mit unserer Ungerechtigkeit“ leben müssen, sprechen die Ungarn von „igazságtalanságunkkal„!

Dieses Wort, welches wie jedes ungarische Wort auf der ersten Silbe betont wird, setzt sich wie folgt zusammen:

Neugierig? Schau dir doch den ganzen Beitrag an!

igaz / ság / talan / ság/ unk/ kal

igaz“ bedeutet „wahr“, „richtig“, „echt“ – ein Adjektiv.

„-ság“ ist ein Suffix, das substantivierend wirkt. Für sowas haben wir im Deutschen Suffixe wie „-heit“, „-keit“, „-schaft“ oder „-ung“, die es dann auch noch richtig anzuwenden gilt! „Wahrheit“ oder „Recht“ heißt also auf ungarisch „igazság“

„-talan“ an ein Substantiv angehängt drückt ein nicht vorhanden Sein desselben aus und bildet ein Adjektiv. Man könnte es in diesem Fall mit dem deutschen Präfix „un-“ gleichsetzen.
„igazságtalan“ steht also für „ungerecht“

„-ság“ … ja, siehe oben. Es wird wiederum benötigt, um aus dem abgeleiteten Adjektiv das entsprechende Substantiv zu formen, also steht „igazságtalanság“ für die „Ungerechtigkeit“

„-unk“ ist ein sogenanntes Besitzerzeichen – oder Possessivmorphem, wem das besser gefällt-, welches dem deutschen Wort „unser(e)“ entspricht. „igazságtalanságunk“ ist also „unsere Ungerechtigkeit“

„-kal“ letzten Endes ist auf Grund des vorangegangenen Wortes eine modifizierte Form jenes Suffixes, welches der deutschen Präposition „mit“ entspricht.

Sozusagen wortwörtlich übersetzt -oder besser Silbe für Silbe- müsste es dann heißen:
gerecht / (ig)keit / un / keit / unsere / mit

An dieser Stelle auch einen Dank an Andreas Kraneis, den Macher von ungarische-sprache.de. Die Seite nutze ich weniger als Lehrmaterial -pädagogisches Material ist eben schwer zu bekommen-, als dass sie viel mehr mein Anstoß war, meine Freizeit dieser Sprache zu widmen.

Wie man also sieht: Ich habe mir einen ganz schönen Brocken aufgehalst, bin aber noch frohen Mutes, wenigstens die Grundlagen der Sprache irgendwann verstehen, lesen, schreiben und sprechen zu können. Tatsächlich habe ich auch schon Materialien in Aussicht, die ich mir bald bestellen werde, ein Lehrbuch („Szituációk: Ein Ungarischlehrwerk für Anfänger„) und das dazugehörige Arbeitsbuch. Angeblich sollen beide der absolute Brüller sein, wie das auch in diesem Dokument erklärt steht. Glaube ich.

Nun, das größte Problem, denke ich, wird das Aneignen eines adäquaten Wortschatzes sein, denn außer „igen“ („ja“), „nem“ („nein“) und den Zahlen „egy“, „kettö“ und „három“ ist vom eigentlichen Vokabular noch nicht sehr viel zu mir durchgedrungen. Was eben auch am Mangel von Lehrmaterial hängt. Noch. Immerhin gibt es sicherlich noch einige spannende Dinge über diese Sprache zu erzählen und die Anzahl derer, die sie tatsächlich lernt, scheint überschaubar sein.

Wohlan, bald gibt’s mehr!

Kommentare

  1. coole sache ;) sok sikert und halt die ohren steif! ^^


  2. hehe, da hast du dir ja ganz schön was aufgebrummt, Ungarisch (zusammen mit Finnisch halt :) ) soll ja eine der anspruchvollst zu lernenden europäischen Sprachen sein. Viel Spaß dabei ;)


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