Einzelbilder vom Schubsen: Zur Berichterstattung über den »Angriff auf AfD-Chef Lucke«

Bernd Lucke, AfD

Das Ereignis wurde in den Nachrichten nur beiläufig erwähnt, es ist aber dennoch heikel: Der Parteivorsitzende der ›Alternative für Deutschland‹, Bernd Lucke, wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung attackiert. So titeln Presse und Polizei:

  • Polizei Bremen: POL-HB: Nr.: 0464,–Überfall auf Wahlkampfveranstaltung–
  • Handelsblatt: AfD-Parteichef: Bernd Lucke bei Wahlkampfveranstaltung angegriffen
  • Zeit Online: Wahlkampfveranstaltung: AfD-Parteichef von Vermummten angegriffen
  • focus: Angriff bei Auftritt in Bremen: Acht Vermummte attackieren AfD-Parteichef Bernd Lucke
  • n24: Parteichef im Wahlkampf attackiert: AfD verurteilt „Angriff auf die Demokratie“
  • DIE WELT: Anti-Euro-Partei: Vermummte stoßen AfD-Chef Lucke zu Boden

Weitere Überschriften im gleichen Stil lassen sich finden. 1 Es soll nicht versucht werden, die Geschehnisse zu relativieren, aber es darf gefragt werden:

Wie nah an der Wahrheit ist diese Berichterstattung tatsächlich?

Ein Video gibt darüber Aufschluss.

Das Video mit dem Titel »Attentat auf Bernd Lucke am 24 08 2013 Waldbühne Bremen« wurde am 24. August 2013 von Nutzer ›topfpflanze‹ veröffentlicht. Hier die Quelle:

Ziemlich unschön, so wenig Sympathie man für die AfD auch empfinden mag. Geradezu absurd wird’s jedoch, wenn man die Berichterstattungen der Presse und der Polizei sichtet. So heißt es in der offiziellen Mitteilung:

Während der Rede des Vorsitzenden der „Alternative für Deutschland“ wurde die Veranstaltung durch ca. 20 – 25 teilweise vermummte Personen plötzlich gestürmt. Acht Personen gelang es, auf die Bühne zu kommen. Durch die Angreifer wurde im Bereich der Bühne Pfefferspray eingesetzt. Hierbei wurden insgesamt 16 Personen verletzt. Beim Eintreffen der Polizeikräfte flüchteten die Angreifer in den Park. Während der Verfolgung wurde ein Helfer der „Alternative für Deutschland“ mit einem Messer angegriffen. Bei dessen Abwehr verletzte er sich leicht an der Hand. Alle durch das Pfefferspray verletzten Personen erlitten Augen- und Atemwegsreizungen.

Sehe nur ich die Diskrepanz zwischen Video und Bericht? Schauen wir uns die Ereignisse noch einmal an – in 20 Einzelbildern. Sieht dann so aus:

Bernd Lucke bemerkt, dass sich ihm eine Person auf der Bühne nähert.

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Er reagiert schnell, nimmt eine Verteidigungshaltung ein.

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Lucke versucht den Angreifer, dessen Haltung zum Stoßen bereit ist, abzuwehren.

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Es ist zu erkennen, dass keine von beiden Personen einen Gegenstand in ihren Händen hält. Bernd Lucke wird in der Folge von der Bühne gedrängt, geschubst, gestoßen.

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Eine zweite Person betritt die Bühne.

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Diese zweite Person hält einen nicht identifizierbaren Gegenstand in ihren Händen.

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Sie wirft diesen in Richtung des Publikums. Zwar ist’s auf den Bildern nicht zu sehen, doch im Video ist anhand des ›Flugverhaltens‹ zu erkennen, dass der Gegenstand kein größeres Gewicht besitzt. Worum es sich bei diesem Gegenstand handelt, ist ungeklärt.

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Im linken Bildrand sind drei weitere Personen mit Kapuze und/oder Sonnenbrille erkennbar.

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Die Täter verlassen die Bühne in Richtung der neben der Bühne stehenden Personen.

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Eine vierte Person abseits der Bühne wird erkennbar. Diese liefert sich scheinbar ein Handgemenge mit einer anderen, nicht zu erkennenden Person.

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Der Gegenstand scheint keine größere Wirkung zu besitzen, die Menschen scheinen von Pfefferspray nichts zu bemerken. Einzig: Eine ältere Frau – rechts im Bild – sieht sichtlich mitgenommen aus.

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Ein Mann steht auf, verdeckt damit die Sicht auf die Szenerie.

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Die angreifenden Personen, derer sechs, flüchten in den Wald. Es sammeln sich Menschen dort, wo die Angreifer zuvor standen.

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That’s it, im Wesentlichen. Sechs Leute, von denen zwei die Bühne betreten, von denen wiederum einer einen Gegenstand in die Menge wirft. Keine der Personen, mit Ausnahme des Werfers, ist offensichtlich bewaffnet, über den geworfenen Gegenstand darf spekuliert werden.

Was schrieb die Polizei noch gleich?

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  1. So beispielsweise in der FAZ und im Spiegel.