Jiddische Sprache, Teil I: Geschichtliches

Ohai. Es wird, nach nun fast zwei Jahren, wirklich wieder Zeit. Entschuldigt meine Abwesenheit. Weiter geht’s. Jiddische Sprache, Deal? Deal.

Ein möglicher Einstieg an dieser Stelle ist, sofort mit dem Jiddischen, der Sprache, zu beginnen, der metaphorische Sprung ins kalte Wasser. Einige Einleitungen in das Jiddische tun genau das, einige mehr setzen zumindest Grundkenntnisse voraus, oft das Wissen über die Schrift. Wir gehen einen anderen Weg, beginnen mit ein paar Worten zur Sprachgeschichte, zum Warmwerden. Erstmal.

Von vorne. Die frühesten Nachweise der jiddischen Sprache im deutschen Sprachraum stammen, grob, aus dem 13. Jahrhundert. Schon damals wurde die Sprache in hebräischer Schrift verfasst. Allerdings brachte allein das Erlernen der hebräischen Schrift nicht das Erlernen der hebräischen Sprache mit sich. Stattdessen wurde so eine Variante des Mittelhochdeutschen, der hiesigen Sprache, in hebräischen Schriftzeichen kodiert. Im Verlauf der nächsten Jahrhunderte wanderte die Sprache in Europa nach Westen und nach Osten, zwischenzeitlich auch wieder zurück, nur um uns dann erneut zu verlassen. Was blieb, waren zwei jiddische Sprachen, das Westjiddische und das Ostjiddische. 1

In der darauffolgenden Zeit nahmen die Sprachen weiterhin Elemente der jeweiligen Umgebungssprachen in sich auf. Geprägt auch immer von der deutschen Sprache finden sich Elemente einer Vielzahl von Sprachen in den jiddischen Sprachvarianten, von Spanisch und Portugiesisch im Ladino, über Niederländisch und Oberitalienisch im Westjiddischen Polnisch, Russisch oder Litauisch im Ostjiddischen. Es zeigte sich die Vielfalt der mame-loshn, מאַמע־לשון, der ›Muttersprache‹. Geeint wurden die Sprachen stets durch das Hebräische, der loshn-koydesh – לשון־קודש –, der ›heiligen Sprache‹. Die Verbreitung des Buchdruckes im 15. und 16. Jahrhundert tat ihr Übriges, sodass die Sprachen ihrerseits ihre Verbreitung fanden.

Während des 18. Jahrhunderts allerdings begann sich das Westjiddische aufzulösen, während das Ostjiddische auch weiterhin florierte – beides aus vielerlei, nicht nur erfreulichen Gründen. Die Shoah in der Mitte des 20. Jahrhunderts brachte die jiddischen Sprachen schließlich nahezu an ihr Ende. Nahezu. Verbunden hiermit ist nicht zuletzt der unermüdliche Trotz des YIVO, der yidisher visnshaftlekher institut, das 1925 in Berlin gegründet und im damals polnischen Vilnius eröffnet wurde und dessen Sitz 1940 nach New York verlegt wurde. Seine Ziele seit jeher sind der Erhalt und die Erforschung von Sprache, Geschichte und Traditionen jüdischen Lebens in Europa und der Welt.

Und Heute? Sprechen etwa 1,5 Millionen Menschen die ostjiddische Sprache, wobei sich die größten Sprechergemeinden in Israel und in New York finden. Das Westjiddische ist mittlerweile tatsächlich nahezu ausgestorben; die optimistischste Schätzung geht von rund 50.000 Menschen aus, welche die Sprachvariante noch beherrschen. 2

So viel, erstmal, nächstes Mal dann die hebräischen Schriftzeichen und die Umschriften.

Literaturempfehlung: Aptroot, Marion & Gruschka, Roland (2010): Jiddisch. Geschichte und Kultur einer Weltsprache. München: C.H. Beck.

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  1. Zu den Judensprachen gesellt sich zudem das Ladino, Judenspanisch, das heute vor allem in Südosteuropa anzutreffen ist. Die Sprache entstammt allerdings dem romanischen Zweig europäischer Sprachen. Lange Geschichte.
  2. Ladino wird von rund 100.000 Menschen gesprochen.

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