Jiddische Sprache, Teil II: Zeichen und Schrift

Wo waren wir? Schrift. Geschrieben wird von rechts nach links in hebräischen Schriftzeichen. Während das Hebräische vereinfacht keine Vokale kennt, nutzt das Jiddische die hebräische Zeichen in anderer Lautung und zum Teil als Vokale. Werfen wir einen Blick auf das jiddisch-hebräische Alphabet, in einer nicht-alphabetischen Ordnung. Weil wir wissen, dass das Jiddische mit der deutschen Sprache verwandt ist, ordnen wir das Alphabet, wie wir’s kennen.

Zeichen YIVO Name Anmerkung

א shtumer alef am Wortanfang
אַ a pasekh alef
ע e ayin
יִ ,י y, i yud, khirek yud nach Vokal
אָ o komets alef
וּ ,ו u vow, melupn vow nach Vokal

ױ oy vov yud
ײ ey tsvey yudn
ײַ ay pasekh tsvey yudn
טש tsh tes-hin
זש zh zayen-shin

ב b beys
בֿ v veys in Hebraismen
ד d daled
ף ,פֿ f fey, langer fey am Wortende
ג g giml
ה h hey
ק k kuf
כּ k kof in Hebraismen
ך, כ kh khof, langer khof am Wortende
ח kh khes in Hebraismen
ל l lamed
ם ,מ m mem, shlos mem am Wortende
ן ,נ n nun, langer nun am Wortende
פּ p pey
ר r reysh
ס s samekh
ת s sof in Hebraismen
ש sh shin
שׂ s sin in Hebraismen
ט t tes
תּ t tof in Hebraismen
ץ ,צ ts tsadek, langer tsadek
װ v tsvey vovn
ז z zayen

Manche Zeichen verändern ihre Gestalt am Wortende – בוך, bukh, ביכער, bikher, simpel. Und manche werden (fast) ausschließlich in Wörtern hebräisch-aramäischen Ursprungs verwendet, תּורה, toyre, Thora. Überschaubar. Handschriftlich sieht’s anders aus, doch für’s Web soll die Quadratschrift genügen.

Was man mit Schriftzeichen so machen kann, ist, ihre jeweilige Häufigkeit in Texten anzuschauen. Die zehn häufigsten Buchstaben im Deutschen sind, Quelle: Wikipedia. Und im Jiddischen?

in deutschen Texten
1. e 17,40 %
2. n 9,78 %
3. i 7,55 %
4. s 7,27 %
5. r 7,00 %
6. a 6,51 %
7. t 6,15 %
8. d 5,08 %
9. h 4,76 %
10. u 4,35 %
in jiddischen Texten
1. ע, ayin, e 9,47 %
2. י, yud, y/i 9,32 %
3. ר, reysh, r 6,85 %
4. ר, langer nun, n 6,39 %
5. ט, tes, t 5,93 %
6. ל, lamed, l 4,91 %
7. אַ, pasekh alef, a 4,48 %
8. ו, vov, u 4,47 %
9. א, shtumer alef 4,47 %
10. נ, nun, n 4,36 %

Nimmt man das Daled ד auf Platz 11 mit 4,01% dazu, kann man mit Wohlwollen eine ähnliche Verteilung erkennen; der shtume alef hat hierbei im Deutschen keine Entsprechung. Im Ganzen sieht das dann beispielsweise so aus, die Einleitung eines Artikels aus dem Yiddish Daily Forward.

ייִדן אין גריכנלאַנד זענען צופֿרידן מיטן נצחון פֿון דער סאָציאַליסטיש־קאָמוניסטישער קאָאַליציע „סיריזאַ‟, וועלכע איז געקומען צו דער מאַכט און געוווּנען 149 פֿון 300ערטער אינעם פּאַרלאַמענט נאָך די וואַלן, וואָס זענען פֿאָרגעקומען דעם 25סטן יאַנואַר.

Oder, in Umschrift:

Yidn in grichnland zenen tsufridn mitn ntskhun fun der sotsialistish-komunistisher koalitsie „siriza“, velkhe iz gekumen tsu der makht in gevinen 149 fun 300erter inem parlament noch di valn, voa zenen forgekumen dem 25stn ianuar.

Nächstes Mal.

Literaturempfehlung: Weiss, Karin; Greve, Dorothea; Raveh-Klemke, Smadar (2013): Der alef-beys, trit bay trit: Jiddisch lesen und schreiben lernen. Bremen: Hempen.

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