Jiddische Sprache, Teil I: Geschichtliches

Ohai. Es wird, nach nun fast zwei Jahren, wirklich wieder Zeit. Entschuldigt meine Abwesenheit. Weiter geht’s. Jiddische Sprache, Deal? Deal.

Ein möglicher Einstieg an dieser Stelle ist, sofort mit dem Jiddischen, der Sprache, zu beginnen, der metaphorische Sprung ins kalte Wasser. Einige Einleitungen in das Jiddische tun genau das, einige mehr setzen zumindest Grundkenntnisse voraus, oft das Wissen über die Schrift. Wir gehen einen anderen Weg, beginnen mit ein paar Worten zur Sprachgeschichte, zum Warmwerden. Erstmal.

Von vorne. Die frühesten Nachweise der jiddischen Sprache im deutschen Sprachraum stammen, grob, aus dem 13. Jahrhundert. Schon damals wurde die Sprache in hebräischer Schrift verfasst. Allerdings brachte allein das Erlernen der hebräischen Schrift nicht das Erlernen der hebräischen Sprache mit sich. Stattdessen wurde so eine Variante des Mittelhochdeutschen, der hiesigen Sprache, in hebräischen Schriftzeichen kodiert. Im Verlauf der nächsten Jahrhunderte wanderte die Sprache in Europa nach Westen und nach Osten, zwischenzeitlich auch wieder zurück, nur um uns dann erneut zu verlassen. Was blieb, waren zwei jiddische Sprachen, das Westjiddische und das Ostjiddische. 1

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  1. Zu den Judensprachen gesellt sich zudem das Ladino, Judenspanisch, das heute vor allem in Südosteuropa anzutreffen ist. Die Sprache entstammt allerdings dem romanischen Zweig europäischer Sprachen. Lange Geschichte.

Leseempfehlung: »Rundum«

Ein offener Brief von Nilzenburger an Matussek, Pirinçci, Broder, Lewitscharoff, Sarrazin und »alle anderen ähnlichen Krawallschwestern und Radaubrüder«. Exzerpt!

Ihr zündelt nicht, ihr giesst Benzin über das ganze Land und zündet das mit einem Flammenwerfer an. Für die paar Euro und das bisschen Applaus aus der Ecke derer, die gar nichts mehr haben und deswegen die Schuld bei allen anderen suchen. Das ist gefährlich, das ist fahrlässig und das ist gemein. Ihr spaltet, nichts an euch ist konstruktiv, ihr schreibt literarische Baseballknüppel, die auf den Köpfen derer landen, die sich bemühen alle Seiten zu vereinen oder wenigstens zum Dialog miteinander zu bringen. Ihr wollt Hass säen und Hass ernten. Das ist keine Wut, denn Wut weiß immer auch, dass sie subjektiv ist – ihr haltet euch aber für Beobachter. Das ist auch keine Verzweiflung, denn zum verzweifeln geht es euch viel zu gut in euren gated Communities, in euren Filterblasen. Das ist kalkulierter Hass. Das ist Talkshowanbiederung. Ihr wollt keine Lösung anbieten, ihr wollt nur “das Kind beim Namen nennen”, um dann bei Will, Plasberg und Illner zu landen. Und euch wie Aufklärer fühlen. Ihr wollt alles kaputt machen, damit ihr die nächste Tankfüllung eures SUV zahlen könnt.

Die Lektüre des vollständigen Textes wird, wie üblich, mit Nachdruck empfohlen.

Ukraine: Unabhängigkeitsplatz in Kiew

Ohne Worte.

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via @AwesomeWelles_

Leseempfehlung: »Blackface bei „Wetten, Dass…“«

Ein sehr lesenswerter Artikel von Anatol Stefanowitsch zum Thema Blackface bei »Wetten Dass…«.

[…]
Es gibt aber noch ein tiefer liegendes Argument dafür, dass das Blackface eine rassistische Praxis ist: Sie kam ja überhaupt erst auf, weil sich Weiße einerseits ganz selbstverständlich anmaßten, Schwarze darzustellen und es für dieselben Weißen völlig unvorstellbar war, tatsächlich einen schwarzen Menschen auf eine Bühne zu stellen (oder gar schwarzen Menschen zu erlauben, sich von sich aus und mit eigenen Inhalten auf eine Bühne zu stellen). Schwarze wurden deshalb nicht nur im Varieté von schwarz geschminkten Weißen dargestellt, sondern auch im ernsthaften Theater (man denke etwa an Shakespeares Othello) und Film (berühmte Beispiele sind die ersten Verfilmungen von Onkel Toms Hütte). Die Darstellung von schwarzen Menschen, egal in welchem Zusammenhang, wurde also exklusiv Weißen überlassen, die Dargestellten selber wurden dadurch unsichtbar.

Die Praxis schwarzgeschminkter Weißer fortzuführen, bedeutet, diese Unsichtbarmachung fortzuführen. Das gilt nicht nur für das Theater (siehe die oben verlinkten Texte), sondern auch für die gestrige Stadtwette. Der Hinweis, das die Jim-Darsteller/innen „natürlich schwarz geschminkt“ sein müssten, verrät uns einiges über die Macher/innen des Sendung und diejenigen, die in der Stadtwette kein Problem erkennen können. Sie gehen nämlich ganz selbstverständlich davon aus, dass nur weiße Menschen an der Stadtwette teilnehmen. Das könnte eine Reihe von Gründen haben: Sie könnten glauben, dass unter den 250 000 Einwohner/innen von Augsburg keine 25 schwarzen Menschen sind; sie könnten glauben, dass es zwar schwarze Menschen gibt, dass die aber nicht „Wetten, dass…“ gucken; es könnte sein, dass sie schlicht keine schwarze Menschen in ihrem Studio haben wollten. All das wäre selbstverständlich rassistisch.

Viel wahrscheinlicher ist es allerdings, dass sie schlicht nicht daran gedacht haben, dass es ja echte schwarze Menschen gibt. Und auch das ist rassistisch. Die Zuschauer/innen, die das ZDF wegen der Stadtwette in Schutz genommen haben, haben gefragt, ob jetzt etwa auch schwarz geschminkte Sternsinger rassistisch wären, oder ob ein „deutscher“ (gemeint ist immer: ein weißer deutscher) Schauspieler jetzt etwa den Othello nicht mehr spielen dürfe. Die Antwort ist: Ja, das ist rassistisch und nein, dass darf er nicht. Denn das, was die fortgesetzte Praxis des Blackface zeigt, ist, dass die schwarzen Menschen in Deutschland, die ganz ohne schwarze Schminke den König Balthasar, den Othello und von mir aus auch den Jim Knopf darstellen könnten, schlicht nicht wahrgenommen werden.

Jedes Mal, wenn ein schwarzgeschminkter Weißer irgendwo auftritt, sagt das: Schwarze können das nicht. Schwarze kennen wir nicht. Schwarze gibt es in unserer Mitte nicht. Was Schwarze von dieser Rolle halten würden, wenn es sie in unserer Mitte gäbe, interessiert uns nicht.
[…]

Die Lektüre des vollständigen Artikels wird nachdrücklich empfohlen.